Pressespiegel

Projektprüfung in der Hauptschule: Leistung abseits der Schulbank in Riedelbach

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Renee Borkowski (von links), Mario Knoth und Jonathan Hollinghausen haben sich als Projekt die Instandsetzung von Pocketbikes vorgenommen. Fotos: Neugebauer

Schüler der Hauptschulabschlussklasse H9 der Max-Ernst-Schule stellen Ergebnisse der Projektwoche vor.

Frisch gesägtes Lärchenholz, Motoröl, Benzin, Lack aber auch Fettgebackenes und Zimt dufteten um die Wette. Auf dem Flur im Bereich Arbeitslehre an der Max-Ernst-Schule in Riedelbach mischten sich verschiedenste Aromen. Denn die Schülerinnen und Schüler der Hauptschulabschlussklasse H9 bereiteten ihre Projektprüfungen vor.

Für ihre selbstständige Arbeitsweise und ihre „grandiosen Ideen“ lobte Klassenlehrerin Maike Meyer die Gruppe aus Rosario Bonaccorso, Shakira Hadzija, Xenia Detloff und Lara Jung, die in der Schulküche zugange waren. Sie hatten sich als Projekt die kosovarische Küche vorgenommen. Denn Shakira stammt von dort. Und so waren die Jugendlichen am Montag zunächst in verschiedenen Geschäften in Usingen einkaufen gegangen, um alle Zutaten, vor allem das im Kosovo so beliebte Allroundgewürz „Vegeta“, eine Art Gemüsebrühe, zu erstehen. Jeden Tag bereiteten die vier eine andere Speise zu. Mal gab es albanische Eiersuppe, dann Petla oder Cevapcici mit Reis und Zaziki.
 
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Adnan Rama (von links), Ghulam Mohammadi, Kevin Sprengel (hockend) und Nicolas Peltier stellen eine Picknickbank für den Schulhof her.

Jetzt war Tulumba an der Reihe, eine in Fett ausgebackene Süßspeise, die in Zucker-Zitronensaftlösung getaucht und in Zimtzucker gewälzt wird.

Gegenüber der Küche im Holzwerkraum wurde gesägt, gehobelt, gebohrt und geschraubt. Adnan Rama, Nicolas Peltier, Ghulam Mohammadi und Kevin Sprengel fertigten unter Anleitung von Thomas Betz eine Picknickbank für den Pausenhof an. „Sie soll besser, größer und stabiler sein als das Vorbild“, betonten die Schüler. Denn am Schulteich steht solch eine Picknickbank, aber auf dem Hof gibt es nur wenige Sitzgelegenheiten. So hatten sich die Prüflinge eine Liste gemacht, wie viel Holz benötigt wird, welche Schrauben und welche Muttern. Die sibirische Lärche erhielten sie beim Holzhandel in Bad Camberg. „Das Holz ist besonders witterungsbeständig,“ sagte Nicolas, „durch die Kälte dort sind die Jahresringe besonders eng.“
 
Im Metall-Werkraum hatten sich Renee Borkowski, Mario Knoth und Jonathan Hollinghausen zwei Pocketbikes vorgenommen. Nachdem diese jahrelang bei Mario herumgestanden hatten, sollten sie wieder fahrbereit gemacht werden. Bei der Maschine, die einem Geländemotorrad ähnelte, musste der Motor ausgetauscht werden. Ersatzteile mussten beschafft, Reifen geflickt, eine Sitzbank repariert werden. „Solche Maschinen sind nicht im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen“, sagte Renee. Nur auf Rennstrecken seien solche „Motorräder für die Handtasche“ mit Zwei-Takt-Motoren und einem Hubraum von gerade einmal 50 Kubikzentimetern einsetzbar.
Einer eher theoretischen Arbeit widmeten sich Laura Lippert, Josi Weag, Setareh Amiri und Rehana Rahimi. Die beiden deutschen und die beiden afghanischen Mädchen verglichen die Heimatländer miteinander. Dabei nahmen sie politische und kulturelle Aspekte unter die Lupe, wie Kunst und Mode. Da die Max-Ernst-Schule ja auch die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ hat, passte das Thema. Denn es solle dazu dienen, andere Kulturen schätzen zu lernen und zur Verständigung beitragen, sagte Lehrer Oliver Schütze.
 
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Unter Leitung von Lehrer Simon Becker (Zweiter von links) versuchen Saskia Wick (von links), Laurenz Dittrich, Yannick Roos und Florian Jung (liegend) im Wald zu überleben.

Wie man sich in der Natur von Beeren, Kräutern, Maden und Insekten ernährt untersuchten Saskia Wick, Yannick Roos, Robin Engler, Florian Jung und Laurenz Dittrich. Survival war ihr Thema. Dazu hatten sie sich Waldpädagogin Bhavana Kaiser von HessenForst eingeladen. Und diese machte mit dem Irrglauben Schluss, dass Moos nur auf der Nordseite von Baumstämmen wachse, so dass man sich daran orientieren könne. Besser sei es, wenn man sich wirklich im Wald verlaufen habe, immer bergab zu gehen. Dann komme man zum nächsten Bach. Und an Bächen finde sich zumindest hier in Deutschland immer schnell eine Ansiedlung. Im Wald hatten sich die Jugendlichen auch einen Wetterschutz gebaut, den sie in abgespeckter Version auch noch einmal an der Schule aufbauten.

Für die Projektprüfung am Montag als Teil ihrer Abschlussprüfung bereiten die Arbeitsgruppen jeweils eine Power-Point-Präsentation zu ihrem Thema vor. Mit deren Hilfe erläutern sie ihr Projekt der Prüfungskommission sowie einem Publikum aus der achten Hauptschulklasse, die im kommenden Jahr mit der Abschlussprüfung an der Reihe ist.
 
von Sabine Neugebauer / Usinger Anzeiger vom 29.11.2018